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Scheck für Journalistin aus El Salvador

Gruppenbild von der Scheck-Übergabe

Vor drei 13. und zwei 12. Klassen des Beruflichen Gymnasiums Eutin berichtete auf Einladung von Amnesty International die Radiojournalistin Isabel Gámez über die politische Situation in ihrem Heimatland El Salvador sowie insbesondere über ihre Tätigkeit als Leiterin der Nachrichtenredaktion beim kommunalen Radio Victoria.

Wie auch in Mexiko und Guatemala ist in El Salvador die Zahl der Gewaltakte gegen Frauen jeglichen Alters in den letzten Jahren weiter gestiegen – es handelt sich um sowohl physische, psychische und sexuelle Gewalt wie äußerst grausame Morde (mehrere 100 im Jahr). Nach Isabel Gámez ist dies vor allem darauf zurück zu führen, dass große Teile der Bevölkerung nach dem 12-jährigen Konflikt zwischen 1980 und 1992 (dem 75.000 Menschen zum Opfer fielen) Gewalt als „etwas Natürliches“ tolerieren.

Die Straffreiheit, die 70% der Fälle nicht gerichtlich verfolgen lässt, ist ein weiteres großes Problem.

Aufgrund ihrer Berichte über soziale Ungerechtigkeiten, Korruption und Umweltverbrechen wurden Isabel Gámez und ihre Kollegen zunehmend bedroht, ihre technische Ausrüstung wurde zerstört. Besonders nachdem sie das Vorhaben kanadischer und US-Bergbaufirmen zur Gewinnung von 1 Mill. Unzen Gold in ihrer Provinz Cabañas an der Grenze zu Guatemala offen legten, konnten sie nur noch in Angst arbeiten. Von den Umweltaktivisten, die mit Frau Gámez über die Gefahr der Verschmutzung des Grund- und Flusswassers durch Schwermetalle, Zyankali und Quecksilber aufklärten, wurden zwei ermordet; auf Isabel Gámez wurden seit 2009 zwei Mordversuche ausgeübt.

Ihr Anliegen ist es, in ihrem Radio denjenigen eine Stimme zu geben, die bei der Regierung und öffentlichen Medien kein Gehör finden und deren Rechte nur zu oft missachtet werden.

Seit einem Jahr lebt die 27-jährige Isabel Gámez auf Einladung der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte in Hamburg. Hier empfindet sie zum ersten Mal seit Jahren ein Gefühl der persönlichen Sicherheit. Das sie ihrem 9-jährigen Sohn ungefährdet beim Schwimmunterricht zusehen kann – auch das ist ein Traum, der für sie in Erfüllung gegangen ist!

Die große Überraschung kam, als am Ende des Vortrags die Schülerinnen und Schüler der Theaterwerkstatt des 12. Jahrgangs des Beruflichen Gymnasiums Frau Gámez für die Arbeit ihres freien Radiosenders einen Scheck in Höhe von 200 Euro überreichte.

Die Theaterwerkstatt hatte im Februar dieses Jahres sehr erfolgreich das Theaterstück Leonce und Lena von Georg Büchner zur Aufführung gebracht. Da Georg Büchner im 19. Jh. selbst sehr unter der politischen Verfassung gelitten hat, erschien den Schülern die Verwendung ihres Geldes in dieser Form als angemessen.

(Käthe Birkenfeldt)

Bereiche: Berufliches Gymnasium