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Unterricht ohne Zettel und Stift

Vor Kurzem machte sich die Gruppe unserer Referendare mit den Ausbildungskoordinatoren auf den Weg nach Dänemark, um sich vom dänischen Schulsystem bzw. der Philosophie, wie dort Lernen funktioniert, inspirieren zu lassen. Es ging an die Berufsschule CELF in Nyköbing/Falster. Die Schule dort ist in vielerlei Hinsicht doch etwas anders.

Die Lehrkräfte in der Schule haben alle einen eigenen Arbeitsplatz mit abschließbarem Container in einer Art Großraumbüro. Das Lehrerzimmer ist sowohl mit Tischen und Stühlen als auch mit Sitzecken und einer gut ausgestatteten Küche mit Kaffeeautomat bestückt.

Im Bereich der kaufmännischen Abteilung hat die Schule ein Einzelhandelsgeschäft eingerichtet, um den Schülerinnen und Schülern die praktische Ausbildung im Einzelhandel zu ermöglichen, die keinen Ausbildungsbetrieb finden konnten. Fachkräfte werden auch in Dänemark gesucht, das Engagement eine Ausbildung zu ermöglichen, ist auch in dänischen Betrieben zum Teil verhalten.

Die Werkstätten und Fachräume in der gewerblichen Abteilung sind imposant in Hinblick auf Ausstattung und Anzahl. Es gibt z.B. vier Kfz-Werkstätten (für jedes Ausbildungsjahr eine Werkstatt sowie eine eigene Werkstatt für Krafträder) und großflächige Bauhallen für ganzjährige wetterunabhängige Ausbildung.

Aufgefallen ist uns der gute Zustand der Ausstattung. Auch Geräte, die frei zugänglich auf den Fluren stehen, sind vollständig und betriebsbereit.

Ein deutscher Austauschschüler zeigte uns die dänische Schule im Vollzeitbereich und berichtete von seinen Eindrücken. In den Klassenräumen befinden sich keine klassischen Tafeln mehr und auch die Schülerinnen und Schüler verfügen alle über ein eigenes digitales Gerät, mit welchem sie alle notwendigen Aufzeichnungen tätigen, so dass Zettel und Stift nicht mehr Teil der üblichen Ausstattung eines Lernenden sind. SchülerInnen, die nicht in der Lage sind, sich ein digitales Gerät anzuschaffen, erhalten von der Schule ein Leihgerät. Entsprechend ist auch die Ausstattung der Klassenräume: viele Großbildschirme und Smartboards. Die SchülerInnen sitzen auf unterschiedlichen Höhen und es wirkt sehr dynamisch. Der Austauschschüler zeigte uns einige dieser Klassenräume mit dem Hinweis: „Das ist ein normaler Klassenraum. Dort hinten in der Ecke steht ein 3-D-Drucker.“ Die Lehrpläne wurden hier stark auf das jeweilige Profil fokussiert, so dass z.B. im Profil Technik die zweite Fremdsprache gestrichen wurde. Nicht nur die Ausstattung auch der Lerngestaltung ist anders. Die Schülerinnen und Schüler werden stark zum selbstverantwortlichen Lernen und Arbeiten angehalten. So erhalten sie Lernjobs, die sie selbständig, meist in Gruppen, erarbeiten und präsentieren müssen. Die Lehrkraft steht v.a. als AnsprechpartnerIn und RatgeberIn bereit. Normaler Unterricht, der das Projekt begleitet, hat einen stark freiwilligen Charakter. „Wer nicht hingeht, hat selber schuld“, so die Einschätzung des Austauschschülers. Die Ausstattung der Schule unterstützt diese Lernkultur, indem viele kleine Arbeitsräume zur Verfügung stehen, die mit notwendiger „Infrastruktur“ wie Steckdosen und Internet bestückt sind. Der Austauschschüler endete seinen Rundgang mit den Worten: „Hier ist Schule wie sinnvolle Freizeitbeschäftigung.“