Dokumentation zur Krakau-Fahrt (AG „Gegen das Vergessen“)

Die AG „Gegen das Vergessen“ der Beruflichen Schule Eutin unternahm im Rahmen ihres Projekts zur Erinnerungskultur eine fünftägige Bildungsreise nach Krakau, Polen. Ziel der Fahrt war es, die Geschichte des Nationalsozialismus und die Verbrechen während der Besatzungszeit in Polen vor Ort zu begreifen, historische Zusammenhänge zu vertiefen und die Bedeutung von Erinnerungsarbeit für Gegenwart und Zukunft zu reflektieren. Bereits im Vorfeld hatte die AG regionale Gedenkorte besucht, darunter die Stadt Eutin und die Gedenkstätte Ahrensbök und eine eigene Ausstellung entwickelt, die sich mit „Tätern, Opfern und Menschen dazwischen – Persönlichkeiten zur Zeit des Nationalsozialismus in Eutin“ beschäftigte.
Die Reise nach Krakau als Jahresabschluss der AG war nicht nur ein zentraler Beitrag zur historischen Bildung, sondern zugleich ein starkes gemeinschaftliches Erlebnis. Trotz der ernsten und teils bedrückenden Themen gab es viele Momente, in denen die Gruppe enger zusammenrückte. Die intensive Beschäftigung mit der Geschichte wurde durch gemeinsames Erkunden, Gespräche mit viel Austausch begleitet.
Die AG „Gegen das Vergessen“ ermöglicht Jugendlichen, Geschichte nicht nur aus Büchern kennenzulernen, sondern sie an den historischen Orten mit Kopf, Herz und Verantwortung zu begreifen. Die Reise nach Krakau und Auschwitz hat allen Teilnehmenden verdeutlicht, wie bedeutsam Erinnerungsarbeit gerade heute ist. Zugleich war es für alle eine prägende Zeit, die neben Lernen und Gedenken auch von vielen persönlichen Erlebnissen getragen wurde.
Eine solche Fahrt empfehlen wir jeder Schülerin und jedem Schüler ausdrücklich: Sie verändert den Blick auf die Geschichte, auf die Gegenwart und auch ein Stück weit auf das eigene Selbst.
Wochenbericht:
Anreise und organisatorischer Auftakt
Nach der Anreise am 27.04.2026 nach Krakau nutzte die Gruppe den Montagabend für organisatorische Hinweise, eine kurze Orientierung in der Umgebung der Unterkunft sowie einen ersten Austausch über Erwartungen und Fragestellungen für die kommenden Programmtage.
Stadtführung Altstadt und NS-Besatzungsgeschichte
Am Dienstag stand ein geführter Rundgang durch die Altstadt Krakaus mit folgenden Stationen und thematischen Schwerpunkten auf dem Tagesplan: Marktplatz und Marienkirche, Königsweg, Wawel-Anhöhe mit Besichtigung von Schloss und Kathedrale. Auch eine historische Einordnung zur Zeit der deutschen Besatzung fand statt. Die Führung verdeutlichte die enge Verzahnung von Stadtraum und Besatzungspolitik und machte Kontinuitäten und Brüche im Stadtbild sichtbar. Der Abend endete mit einem gemeinsamen Essen, bei dem wir den bevorstehenden Besuch in Auschwitz vorbereiteten — einem Programmpunkt, dem alle mit großer Aufmerksamkeit und Respekt entgegentraten.

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und Workshop
Am Mittwoch stand der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau an. Vormittags fand eine 3,5-stündige Besichtigung in zwei Teilen an:
- Teil 1: Auschwitz I (Stammlager) – Ausstellung in den Häftlingsblöcken, Todesblock, Todeswand sowie die einzig erhaltene Gaskammer und das Krematorium
- Teil 2: Auschwitz II–Birkenau – Häftlingsbaracken, Ruinen der Gaskammern und Krematorien, zentrales Denkmal zur Erinnerung an die Opfer
Nachmittags besuchte die AG einen Workshop in der Gedenkstätte zur historischen Vertiefung. Anhand von Archivdokumenten aus der Gedenkstätte setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Situation der Kinder und Jugendlichen im KZ auseinander. Dabei konzentrierten sie sich auf Gesichtspunkte wie Gewalt, Hilfsmöglichkeiten, Lebensbedingungen, Arbeit und die Zeit nach der Befreiung. Sie entwarfen Ausstellungsplakate und konnten so auf die Erkenntnisse aus dem bisherigen Projekt wie z.B. Ausstellungsmethoden zurückgreifen
Die Kombination aus Ortserfahrung und Quellenarbeit half, individuelle Schicksale, Täterstrukturen und das System der Lager in ihren Bezügen zu verstehen und einzuordnen.
„Ich bin mit einem guten Vorwissen über die damalige Zeit in dieses Projekt gestartet, doch den Geschehnissen nun einmal so nahe zu stehen, hat mir einen ganz neuen Eindruck verschafft. Es war eine sehr wichtige Erfahrung, das Vernichtungslager einmal gesehen zu haben, da ich mir nun das große Ausmaß und die Ernsthaftigkeit, welche Auschwitz umfasst, noch besser vorstellen kann.“

Jüdisches Leben in Krakau, Ghetto Podgórze und Schindler-Fabrik
Am Donnerstag, dem letzten Tag vor Ort fand vormittags eine Führung durch das ehemalige jüdische Stadtviertel Kazimierz statt. Die Gruppe besichtigte die Remuh-Synagoge mit Friedhof und folgte den Spuren jüdischen Lebens vor der Shoah und heutige Formen des Gedenkens.
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Zeit seit 1930. Zunächst wurde das ehemalige Ghetto im Stadtteil Podgórze mit seinen erhalten gebliebenen Ghettomauern, den Gedenkorten „Apotheke Zum Adler“ und dem Denkmal der „Leeren Stühle“ besucht. Im Anschluss gab es eine Führung durch die Ausstellung „Krakau während der Okkupationszeit 1939–1945“ in Oskar Schindlers Deutscher Emailwarenfabrik (DEF), mit Einblicken in Besatzungsverwaltung, Verfolgung, Zwangsarbeit und Rettungsversuche.
„Neue Erkenntnisse habe ich gezogen, als wir ins Ghetto gegangen sind und man gemerkt hat, dass die Menschen dort eingesperrt waren und sowieso nicht viel besaßen und trotzdem wurde ihnen auch noch der letzte Rest genommen.“

Am Abend bildete ein gemeinsames Essen in einem jüdischen Restaurant mit Klezmer-Konzert den Abschluss einer intensiven Reise. Der musikalische Rahmen bot Raum für Begegnung, Austausch und die Frage nach kultureller Kontinuität und Erinnerung heute.
Rückreise und Ausblick
Am Freitag, den 01.05.2026 trat die Gruppe die Heimreise an. Während der zwölfstündigen Zugfahrt reflektierten die Schülerinnen und Schüler schriftlich ihre Eindrücke und Erfahrungen. Abschließend kann festgestellt werden, dass die Fahrt ein voller Erfolg war und hoffentlich auch in den kommenden Jahren wieder mit entsprechender Unterstützung stattfinden kann.
„Obwohl es für mich eine emotionale Reise war, bin ich froh, dass ich sie angetreten habe, da ich denke, dass sie in Zukunft mein Handeln beeinflussen wird.“
Dankenswerterweise wird dieses Engagement unterstützt von:





